Motivations-Krise ...

Hatte ja die letzten drei Tage frei und nachher um halb zwei startet mein Spätdienst - der erste von zehn Arbeitstagen am Stück und ich muss zugeben, dass ich ja mal so ganz und gar keine Lust habe ... Scheiße ...

Immer wieder schleicht sich diese beknackte Stimme im mein Hirn, die mich fragt, warum ich das alles überhaupt tue, warum ich nicht einfach in meinem bisherigen Beruf weiterarbeite und WANN um alles in der Welt ich wohl endlich mal zufrieden sein werde, mit mir und dem, was ich habe/tue/bin ...

Fühlt sich nicht gut an und meine kleine Tochter hat an der neuen Situation glaub ich auch bisschen zu knabbern. Fällt mir schwer, nachher zu gehen und zu wissen, dass meine Mädels von halb zwei bis halb sechs alleine sind, vielleicht kommt mein Mann auch bisschen früher heim, aber viel eher wird`s sicher nicht werden.

Aber alt genug sind sie ja und Selbstverantwortung ist sicher nicht das Schlechteste, was man seinen Kiddies übertragen kann - aber dennoch ... Ging halt alles so schnell, in einer Sekunde von 0 auf 200 sozusagen und ab und an frage ich mich, ob ich und meine Familie diesem Tempo gerecht werden können.

Ich hoff`s einfach mal und hör jetzt besser auf, rumzujammern, denn dass es DAVON besser wird, das ist ja wohl mal mehr als fraglich. Okay, ich mach stattdessen mal lieber meinen Mädels noch schnell was zu essen, einer der Vorteile des Spätdienstes.

Schönen Wochenstart allerseits! *wink*

 

29.11.10 12:07, kommentieren

Doof ...

Erster von drei freien Tagen und trotzdem seit 5 Uhr wach ... wie blööööd!

Nutze den Tag sinnvoll und geh jetzt Frust-Shoppen.

26.11.10 07:57, kommentieren

Fast war er ab ...

Au weia - hätte heute doch taaaaatsächlich um Haaresbreite einen Patienten entmannt! *schäm*

Hab ihn im Toilettenstuhl ins Bad geschoben und wenn man sich jetzt vorstellt, dass man da ja mit seinem nackigen Poppes über einem Loch im Stuhl hockt, dann leuchtet einem ja sicherlich ein, dass da bei nem Mann halt gewisse Körperteile eventuell herunterhängen könnten - und jetzt kann man sich unter Uuuumstääääänden auch schon denken, warum besagter Herr plötzlich leicht gequietscht hat, als ich ihn mitsamt seinem Sitzgefährt über die etwa 1 cm tiefer liegende Toilettenschüssel schieben wollte ... 

Nun ja, zum Glück sind die Dinger recht schwerfällig (die Stühle, versteht sich) und ich konnte nicht wirklich schnell schieben ...  Hätt er mal lieber gehört, und sein bestes Stück hochgehalten, aber nööö - und bekanntlich muss ja fühlen, wer nicht hören will, richtig?

Zum Dank hat er dann nicht ins Klo, sondern über die Kloschüssel drüber gepinkelt - da waren wir dann wieder quitt und er mag mich nach wie vor ganz gern.

Hab mich dann vorhin noch von meiner Liebelings-Omi verabschiedet. Ich arbeite ja erst Montag wieder und sie geht vermutlich morgen zurück ins Pflegeheim. Sie hat wieder dolle geweint und mir erzählt, dass ihr Mann zwar im selben Hein lebt, sich aber sein Zimmer mit einem anderen Herrn teilt und so stark an Alzheimer erkrankt ist, dass er sie nicht mal mehr erkennt. Der Schmerz in ihren Augen hat mich dann so gerührt, dass ich selber heulen musste.

Wie furchtbar - sie 88 Jahre alt, er 90, seit 62 Jahren verheiratet, durch dick und dünn miteinander gegangen und nun sind zwar beide noch am Leben, aber einer davon kann sich an nichts von all dem erinnern und der andere kriegt es täglich zu spüren,  schlimmschlimmschlimm ...

Diese liebe, alte Dame ist mir sehr ans Herz gewachsen und als sie heute zum ersten Mal ein paar Schritte an ihrem Rollator gelaufen ist, hab ich mich gefreut, wie an Weihnachten und Ostern zusammen, einfach nur, weil ich sie strahlen sehen konnte und für einen kurzen Moment etwas mer Leben in ihrem kleinen Körper war.

Gibt schon tragische Schicksale, und da regt sich meinereiner manchmal drüber auf, dass das Zimmer meiner Kinder vielleicht nicht aufgeräumt ist ...

Vieles bekommt eine neue Perspektive - mal sehen, ob die Welt für mich die gleiche bleibt, wie ich sie bisher kenne. Hab da so meine Zweifel dran.

Aber jetzt zunächst mal drei freie Tage und den ersten Weihnachtsmarkt genießen - ab Montag gehts dann wieder weiter. *freu*

25.11.10 16:46, kommentieren

Donnerstag = Freitag

Joo, morgen ist mein letzter Arbeitstag für diese Woche. Heute war mein 6. Frühdienst am Stück und ich muss zugeben, dass es mir heute früh doch sehr schwer gefallen ist, aufzustehen. Die letzte Stunde auf Arbeit hab ich auch doooolle gegähnt und war echt froh, als endlich Feierabend war. Aber die Arbeit an sich war völlig in Ordung, da gab`s keine Probleme. *freu* Jedenfalls nicht für mich ...

Nach wie vor ist ja die Krebs-Patientin da, deren Familie erst diese Woche erfahren hat, wie schlimm es um sie steht. Nach einigen weiteren Untersuchungen hat der Doc ihnen allen heute mitgeteilt, dass sie leider auch Metastasen im Gehirn hat und eine Rettung wohl ausgeschlossen ist. Der Ehemann hat vor Schmerz geschrien und nur noch geheult, er bringt sich um, wenn seine Frau tot ist, sagt er ... einfach schrecklich. Vorhin wurde sie zu einer letzten Untersuchung gefahren und hinterher durfte sie nach Hause um in ihrer gewohnten Umgebung sterben zu können.

Einerseits empfinde ich es ja als Geschenk, noch die Zeit zu haben, sich von einem geliebten Menschen verabschieden zu können - bei unerwarteten Unglücksfällen ist das ja leider nicht mehr möglich.
Andererseits kann ich mir auch kaum etwas Schlimmeres vorstellen, als über einen gewissen Zeitraum hinweg einem sehr nahe stehenden Menschen beim Sterben zuschauen zu müssen und nichts dagegen tun zu können. Tragische Sache ...

In ähnlichem Zusammenhang hat mich gestern eine 88-Jährige Frau ziemlich berührt. Sie liegt da, kann sich kaum rühren und es geht ihr wirklich nicht gut. Eine furchtbar liebe Omi, die mich gestern weinend darum gebeten hat, ihr doch für immer "die Augen zuzudrücken", so hat sie es genannt. Hätte mitheulen können, das ging mir sehr ans Herz. Sowas ist mein Albtraum. Angewiesen sein auf fremde Menschen und selbst kaum mehr etwas tun können; nicht mehr aufs Klo gehen können und auch sonst nix mehr selbst bestimmen ... was für ein Leben. Hab schon länger eine Patientenverfügung und hoffe inständig, so ein Dahinsiechen bleibt mir erspart.

Klar gab`s auch schöne Situationen und ich mache den Großteil der Arbet wirklich gern - nur mit manchen "hygienischen Besonderheiten", wenn man das mal so nennen will, hab ich so meine Probleme, aber gut, im Laufe der Zeit stecke ich das hoffentlich etwas besser weg. Gibt schon krasse Menschen und es ist ein grooooßer Unterschied, ob ich eine ungepflegte alte Frau vor mir habe, die sich selbst in letzter Zeit einfach nicht mehr helfen konnte, oder ob es sich um einen Mann Mitte 40 handelt, der sich extrem gehen lässt und wirklich stinkt wie ein Iltis.

Aber gut - man muss die Menschen nehmen, wie sie sind. Ich hab sicher auch die ein oder andere Eigenart, die für manch einen unverständlich ist.

In diesem Sinne:
Leben und leben lassen lautet hier wohl die Devise ... 

24.11.10 19:53, kommentieren

Ekelfaktor "unnerum"

Ich gebs zu - heute kam ich fast an meine Grenze. Nicht ganz, aber eben fast und das macht mich doch nachdenklich.

War heute früh zunächst für zwei wirklich sehr pflegebedürftige und leider auch recht unbewegliche ältere Damen verantwortlich, die ich teilweise im Bett, teilweise am Waschbecken gewaschen habe.

Nich mal auf der Tastatur tippen will ich, wie der Intimbereich der einen Frau aussah ... Boah, ich hab mir ja viel vorstellen können, aber sowas? Ich frag mich, wer sie die letzten Tage gewaschen hat, sowas entsteht nicht über Nacht - war keine leichte Aufgabe für mich und ich fürchte, ich hab sie auch nicht 100%ig erledigt, fühlte mich ernsthaft überfordert ...

Ähnlich war`s bei der nächsten Patientin und dann hab ich zur Feier des Tages noch mitbekommen, wie der Tochter der krebskranken Frau, von der ich schon mal geschrieben habe, recht schonungslos mitgeteit wurde, dass ihre Mutter noch etwa 6 bis 12 Monate zu leben hat.
Ich bin zwar durchaus ein Freund klarer Aussagen, darum geht`s nicht, aber das muss doch auch anders machbar sein, als es wie bei einem Gespräch übers Wetter mal nebenbei zu erwähnen?!

Sie ist zusammengebrochen und trotz meiner Hospizausbildung stand ich im ersten Moment da und wusste gar nicht, was ich machen sollte. Zu einem sterbenden Menschen ans Bett  zu kommen ist dann doch was anderes, als in dem Moment anwesend zu sein, in dem der scheinbar unaufhaltsam näherrückende Todeszeitpunkt verkündet wird ...

Alles in allem also ein sehr durchwachsener Tag, der mich nachdenklich gemacht hat. Eine langjährig erfahrene Pflegekraft hat mir gesagt, dass selbst sie noch immer ab und an zu kämpfen hat und dass ich mir deswegen keine Sorgen machen soll, das sei völlig normal. Hat mich einerseits beruhigt, andererseits ... ich weiß nicht ... muss mal abwarten, was sich ergibt.

Schon interessant, dieses Auf und Ab - komme mir bald vor, als wär ich manisch-depressiv.  

Geh besser mal was kochen, essen hilft (fast) immer!

22.11.10 16:44, kommentieren


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